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Junge Frau mit einem Stapel Bücher

Azubi-ABC

Du hast gerade deine Ausbildung begonnen? Herzlichen Glückwunsch! Was du zum Start deiner Ausbildung wissen musst, haben wir für dich in unserem Azubi-ABC zusammengefasst.

Erstuntersuchung

Vor Beginn der Ausbildung steht meistens erst mal ein Termin in einer hausärztlichen Praxis an. Wenn du noch minderjährig bist, darfst du eine Ausbildung nur beginnen, wenn du dem Ausbildungsbetrieb eine Bescheinigung über eine ärztliche Erstuntersuchung vorlegst. Geregelt ist das in Paragraf 32 des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Für die Untersuchung musst du vorher beim Einwohnermeldeamt einen "Untersuchungsberechtigungsschein" besorgen. Den Schein legst du dann deinem Arzt oder deiner Ärztin vor. Das Ganze ist für dich kostenlos. Die genauen Ergebnisse der Untersuchung bekommst hinterher nur du. Dein Ausbildungsbetrieb erhält lediglich eine Bescheinigung, ob du geeignet bist oder nicht.

Berufsausbildungsbeihilfe

Azubis können unter Umständen einige 100 Euro pro Monat Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) von der Arbeitsagentur erhalten. Das Geld kannst du aber nur bekommen, wenn du schon eine eigene Wohnung hast. Wenn du noch minderjährig bist, prüft die Arbeitsagentur auch, warum du nicht (mehr) bei deinen Eltern wohnst.Die BAB beträgt bis zu 372 Euro im Monat zuzüglich maximal 250 Euro für die Unterkunftskosten, was zusammen 622 Euro macht. Dazu kann es einen Zuschlag für die Arbeitskleidung, für Fahrten zwischen Wohnung und der Ausbildungsstätte (Monatskarte) und eine Familienheimfahrt pro Monat geben.

Von der maximal möglichen Berufsausbildungsbeihilfe wird ein Großteil des Einkommens des Auszubildenden abgezogen und auch das Einkommen der Eltern wird zum Teil angerechnet. BAB wird nicht rückwirkend bezahlt, sondern erst ab Antragstellung bei der örtlichen Agentur für Arbeit. Die Beihilfe muss später nicht zurückgezahlt werden. Für Minderjährige gibt es BAB nur dann, wenn die Ausbildungsstelle über eine Stunde Fahrtzeit vom Wohnsitzt der Eltern entfernt liegt. Der Wunsch, lieber selbstständig zu wohnen, zählt nicht als anerkennenswerter Grund fürs Wohnen außerhalb des Elternhauses, wohl aber ein "gestörtes Eltern-Kind-Verhältnis". Dies befand das Bundessozialgericht am 2. Juni 2004 für Minderjährige (Aktenzeichen: B 7 AL 38/03 R).

Berufsunfähigkeit absichern

Möglicherweise machst du eine Ausbildung in deinem Traumjob. Doch was geschieht, wenn du später wegen einer Erkrankung oder eines Unfalls zwar noch arbeiten kannst, aber nicht in deinem Beruf? Dann kann dir eine private Berufsunfähigkeitsversicherung helfen. Als Azubi bist du automatisch in der Deutschen Rentenversicherung abgesichert. Die zahlt nicht nur eine Altersrente, sondern auch eine Erwerbsminderungsrente, wenn aus gesundheitlichen Gründen Arbeiten – egal in welchem Beruf – nur noch in Teilzeit oder überhaupt nicht mehr möglich ist. Für Azubis kann zusätzlich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung sehr sinnvoll sein. Diese zahlt nämlich, wenn du wegen einer Erkrankung oder eines Unfalls nicht mehr in deinem gewählten Beruf arbeiten kannst. Das passiert häufiger als viele Menschen denken: Statistisch trifft dies mehr als jede oder jeden vierten Erwerbstätigen. Verbraucherschützer raten Azubis deshalb, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Auch hier gilt: Je früher man sich für eine Versicherung entscheidet, desto besser. Denn als Azubi bist du in der Regel noch topfit – und kommst an günstigere Tarife.

Kostet 5 Euro: Das Themenpaket "Berufsunfähigkeitsversicherung" der Stiftung Warentest.

Handy/Smartphone

Vorsicht! Lass dein Smartphone zumindest bei Ausbildungsbeginn in deiner Tasche – möglichst auf "lautlos" gestellt. Erkundige dich erst einmal, welche Regeln hierzu in deinem Ausbildungsbetrieb gelten beziehungsweise was dort "üblich" ist. Unter Umständen kann die private Nutzung am Arbeitsplatz sogar verboten sein.

Jugendvertretung

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) kümmert sich um die Interessen und Rechte der Azubis und minderjährigen Beschäftigten. Sie wird alle zwei Jahre gewählt. Wahlberechtigt sind alle minderjährigen Beschäftigten und alle Auszubildenden unter 25 Jahren. Eine JAV gibt es, wenn eine Firma fünf jugendliche Wahlberechtigte beschäftigt und einen Betriebs- oder Personalrat hat.

Kindergeld

Kindergeld steht grundsätzlich auch Eltern volljähriger Kinder zu – auch den Eltern von Azubis. Es gibt seit Anfang 2018 für die ersten beiden Kinder einer Familie 194 Euro und für das dritte Kind 200 Euro sowie 225 Euro für jedes weitere Kind. Diese staatlichen Leistungen sind als finanzielle Entlastung für Eltern gedacht. Manche Mütter und Väter geben das Geld aber auch an ihre Kinder weiter – vor allem, wenn diese eine eigene Wohnung haben.

Ganz wichtig dabei: Sobald du 18 und damit volljährig wirst, wird das Kindergeld zunächst einmal eingestellt. Wer danach noch Kindergeld erhalten will, muss es erneut beantragen. Für Azubis, Schülerinnen und Schüler sowie Studiernde wird die Leistung in der Regel gezahlt, bis diese 25 Jahre alt werden. Wie hoch die Ausbildungsvergütung oder das Nebeneinkommen der Betreffenden ist, spielt dabei keine Rolle – solange es sich um die erste Ausbildung handelt.

Konto

Als Azubi brauchst du ein Girokonto, schon allein zur Überweisung deines Gehalts. Wenn du noch keine 18 Jahre alt bist, musst du deine Eltern bei der Eröffnung des Kontos mitbringen. Bei vielen Banken und Sparkassen kostet die Kontoführung für Azubis nichts. Wer aber später keine böse Überraschung erleben will, sollte jetzt schon darauf achten, was das Konto später kostet. Denn dabei gibt es enorme Unterschiede.

Krankenversicherung

Als Azubi bist du nicht mehr über deine Eltern gesetzlich krankenversichert und auch nicht an die Krankenkasse deiner Eltern gebunden. Spätestens bis zwei Wochen nach Beginn deiner Ausbildung musst du dich bei einer gesetzlichen Krankenkasse deiner Wahl angemeldet haben. Dabei solltest du bedenken, dass die Zusatzbeiträge, Service- und Extraleistungen der Krankenkassen unterschiedlich sind. Die gewählte (neue) Kasse stellt eine Mitgliedsbescheinigung aus. Diese musst du dann dem Ausbildungsbetrieb vorlegen.

Die Stiftung Warentest bietet auf ihrer Website einen Krankenkassenvergleich. Da kannst du dich informieren.


Privathaftpflicht

Eine Haftpflichtversicherung ist für alle sinnvoll. Sie übernimmt Kosten für Personen- und Sachschäden, die man anderen – zum Beispiel durch einen Unfall – zufügt. Als Azubi musst du dich aber meist nicht selbst versichern, sondern bist über deine Eltern (noch) kostenlos mitversichert. Kläre das aber zur Sicherheit ab.

Rente

Als Azubi bist du gesetzlich rentenversichert und erwirbst in der Regel die ersten Rentenansprüche. Da die Ausbildungsvergütung meistens ziemlich niedrig ist, zahlst du auch nur geringe Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse. Damit erwirbst du aber schon weit höhere Rentenansprüche. Denn die Ausbildungszeit zählt für die Rente meist so, als ob du 75 Prozent von dem verdient hättest, was alle rentenversicherten Arbeitsnehmer durchschnittlich im Jahr verdienen. 600 Euro Ausbildungsvergütung bringen Azubis damit meist Rentenansprüche, die einem Verdienst von rund 2.400 Euro entsprechen.

Schulzeitbescheinigung

Zeiten des Schulbesuchs ab dem 16. Geburtstag können unter Umständen später dabei helfen, Altersrente zu erhalten oder früher in Rente zu gehen. Dafür müssen die Zeiten des Schulbesuchs aber auf deinem Rentenkonto registriert sein. Am einfachsten geht das mit der Schulzeitbescheinigung der Rentenversicherung. Lass sie von der Schule ausfüllen und hebe sie gut auf. Am besten in einem Ordner, in dem du auch deinen Ausbildungsvertrag, deinen Sozialversicherungsausweis und deine Steuer-ID aufhebst.

Die Schulzeitbescheinigung gibt es auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung.

Wichtig: Ein Schulbesuch zwischen dem 16. und 17. Geburtstag zählt für die Rente nur, wenn für diese Zeit freiwillige Beiträge gezahlt wurden. Das kann bis zum 45. Lebensjahr noch nachgeholt werden.

Sozialversicherungen – Anmeldung

Außer der Kranken- und Rentenversicherung gibt es noch die Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung. Um diese gesetzlichen Pflichtversicherungen brauchst du dich aber nicht selbst zu kümmern. Die Pflegeversicherung wählt man mit der Krankenversicherung automatisch mit. Beitrag und Leistungen dafür sind bei allen Kassen identisch. Bei der Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung gibt es gar keine Auswahl, die Anmeldung erledigt der Arbeitgeber. Er führt auch die Beiträge von deinem Bruttolohn ab.

Sozialversicherungsbeiträge

Als Azubi bist du genau wie andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sozialversichert. Insgesamt gehen etwa 20 Prozent von deiner Ausbildungsvergütung an die Sozialversicherungen. Im Schnitt sind es für Azubis genau 20,375 Prozent. Du hast dafür aber auch Ansprüche – beispielsweise auf Krankenbehandlung, Rehabilitation, Rente, Kranken- oder Arbeitslosengeld.

Sozialversicherungsnummer

Sobald du die Ausbildung beginnst, meldet dein Arbeitgeber dich bei der Krankenkasse deiner Wahl an. Diese fordert beim zuständigen Rentenversicherungsträger eine Sozialversicherungsnummer an. Das Schreiben mit der Sozialversicherungsnummer, das als Sozialversicherungsausweis bezeichnet wird, heftest du am besten in deinem Ordner mit deinen Job-Unterlagen ab.

Steuer-ID/Steuer

Dein Ausbildungsbetrieb braucht deine Steueridentifikationsnummer. Damit meldet der Betrieb dich beim Finanzamt an und erfährt so deine Lohnsteuermerkmale. Wenn du deine Steuer-ID nicht kennst, frag erst einmal deine Eltern. Wenn du nicht fündig wirst, kannst du dir die ID vom Bundeszentralamt für Steuern, Referat St II 6, 53221 Bonn erneut zustellen lassen. Dafür musst du deinen Namen und Vornamen, deine Adresse, dein Geburtsdatum und deinen Geburtsort mitteilen. Übrigens: Steuern musst du als Azubi meist noch nicht zahlen, zumindest gilt das in den ersten Ausbildungsjahren. Bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Steuerklasse I liegt die Steuer-Grenze bei einem Einkommen von 1.030 Euro brutto im Monat.

 

Autor(en): Rolf Winkel, Katja Mathes

31.08.2018

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